Nichtwählen leicht gemacht – ein offener Brief

Ich hatte schon vor der Wahl lange überlegt, ob ich mich überhaupt einmischen soll und darf. Hab mich dann aber für „Ja“ entschieden und einen Aufruf zum Thema Wählen gehen verfasst. Mit dem Titel Nicht wählen ist uncool habe ich versucht, darzulegen, warum es so wichtig war und immer wieder ist, Wählen zu gehen. Ich wurde vielfach drauf angesprochen, der Artikel wurde oft geteilt in den diversen sozialen Netzwerken – Danke dafür. Und es bestätigt meinen Eindruck, dass noch viele Menschen ähnlich wie ich gedacht haben und diesen Aufruf deshalb geteilt haben.

Und genau weil ich so viel Rückmeldung erhalten habe, möchte ich nun auch diese Möglichkeit der Einflussnahme nutzen und einen offenen Brief an die Stadtverwaltung und den neu gewählten Gemeinderat richten…

Ein offener Brief

Liebe Stadtverwaltung,
liebe Damen und Herren Gemeinderäte,

ja, ich bekenne mich. Ich war wählen. Weil ich es für meine Bürgerpflicht halte und dankbar bin um diese Möglichkeit, mitzuwirken und mit zu entscheiden. Seit ich das Wahlrecht habe – bei mir war das noch mit 18 Jahren – war ich immer wählen. Entweder persönlich oder per Briefwahl. Weil ich nur drei Gründe kannte, warum man nicht wählen geht.

  1. Man möchte keine Demokratie, sondern eine Diktatur
  2. Man möchte keine Demokratie, sondern eine Anarchie
  3. Man erkrankt plötzlich und kann die Möglichkeit der Briefwahl nicht mehr in Anspruch nehmen

Nun war ich am 25.05. zum ersten Mal seit längerem wieder persönlich an der Wahlurne – zuletzt hatte ich immer die Briefwahl vorgezogen. Natürlich kannte ich das Wahllokal, mir war auch schon beim Erhalt der Wahlbenachrichtigung sehr wohl klar, dass das kein Scherz sondern bitterer Ernst ist:

wahlen2014_anschreiben

Wahlraum ist nicht barrierefrei

Ganz ehrlich und Hand aufs Herz, liebe Damen und Herren: Finden Sie das in Ordnung, dass ein Wahllokal nicht barrierefrei ist? Ich persönlich finde es nicht in Ordnung. Das wollte ich nur nicht vor der Wahl so öffentlich kundtun, da ich keinem Nichtwähler „Munition“ liefern möchte.

Aber nun haben Sie Zeit bis zur nächsten Wahl, welche und wann auch immer diese stattfinden wird, diesen Missstand abzuschaffen:

wahlen2014_wahllokal

Wahllokal mit Barrieren

wahlen2014_wahllokal_zweite_barriere

Wahllokal, zweite Treppe direkt am Eingang

Noch dazu möchte ich erwähnen, dass es für uns 1,2 Kilometer einfache Wegstrecke zum Wahllokal waren. Also 2,4 km zurücklegen, um dann einige Treppenstufen hoch- und wieder runtersteigen zu müssen, nur um ein paar Kreuze zu setzen?

Haben Sie nicht vielleicht auch das Gefühl, dass solche Umstände manche Mitbürger davon abhalten können, das Wahlrecht auszuüben? Ich persönlich kann mir das sehr gut vorstellen, dass sie das bei vielen älteren oder gehbehinderten Menschen tun und diese nicht zur Wahl gehen.

Deshalb möchte ich mit der Bitte schließen:
Bitte umziehen in ein barrierefreies Wahllokal oder vor Ort Abhilfe schaffen, wenn das Wahllokal nicht gewechselt werden soll. Denn wenn man den Radius schon so groß wählt, findet sich bestimmt etwas, was besser geeignet wäre als Wahllokal. Oder andersrum, wenn man schon ein nicht öffentlichen Raum (welcher weder Stadt, Land noch Bund gehört) als Wahllokal wählt, dann muss dieser bitteschön barrierefrei sein.

Ihr Jens A. Heim

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