Tire-Fit: Ersatzrad-Ersatz oder Murks?

Tire-Fit: Ersatzrad-Ersatz oder Murks?

Manche Dinge testet man gerne und mit Anlauf, andere hingegen (sogar ich) lieber nicht. So ging es mir heute…

Plattfuss in Südfrankreich

Wir waren uns noch nicht ganz im Klaren, wohin denn die Reise heute gehen sollte. Trotzdem setzte ich schon mal meinen Wagen in Gang und rollte langsam rückwärts. Ich hatte vorwärts an einen Gartenzaun geparkt, dicht dran, da die Straße sehr schmal ist. Ich zog mein Auto schräg in die Straße rein, um meine Frau zusteigen zu lassen. Danach setzte ich meine rückwärtige Fahrt fort. Straße schmal und zudem Sackgasse, daher keine Wendemöglichkeit.

Nach ein paar Metern klopfte es an der Scheibe. Ein Handwerker, der an einer Gartenmauer arbeitete, wies mich auf den Zustand meines rechten Hinterreifens hin. Dieser sei dégonflé, zu deutsch kurz und einfach: platt! Ich hatte das nicht bemerkt, weil ich nur die Fahrerseite sehen konnte. Und zu meiner Verwunderung hat auch der Reifendruck-Sensor nicht angeschlagen. Schöne Sch…, doch Augenblicke später fiel mir ein, dass mein Fahrzeug mit Tire-Fit ausgestattet ist anstatt eines Reserverades, welches ich ja nun testen könnte. Ich bedankte mich bei dem hilfsbereiten Handwerker und fuhr noch ein paar Meter, um aus der engen Straße raus zu kommen und eben sowie halbwegs im Schatten zu stehen, schaute mir dann erst mal das Desaster an.

plattfuss

Plattfuss – ohne Zweifel

So platt der Reifen nur sein kann…

Also Bedienungsanleitung zur Hand und der Frau übergeben, ich machte mich am Kofferraum zu schaffen, um den Zugang zur Tire-Fit Ausrüstung freizulegen.

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Das Tire-Fit an seinem Platz im Kofferraum

Die Reparatur mit Tire-Fit, Ablauf

11:09 Uhr
Tire-Fit aus dem Kofferraum befreit.

Tire-Fit Set ausgepackt

Reifenfüllschlauch, Dichtmasse, Kompressor

11:12 Uhr
Tire-Fit ausgepackt und gemäss Anleitung zusammengebaut.

11:15 Uhr
Tire-Fit fertig zusammengebaut, Schlauch auf Ventil aufgeschraubt, Stecker in die 12 Volt Steckdose meines Autos eingesteckt.

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Das einsatzbereite Tire-Fit

11:17 Uhr
Zündung an, Tire-Fit startklar und los. Der Kompressor muss laut Anleitung 5 Minuten pumpen, bis das Dichtmittel vollständig im Inneren des Reifen verteilt ist.

11:22 Uhr
Die Fünf Minuten sind um, das kleine Manometer am Kompressor zeigt über 2 bar an – gutes Zeichen. Denn wenn nach diesem Zeitraum nicht mindestens 1,8 bar erreicht worden wären, wäre der Versuch erfolglos gewesen.

Aufgepumpt mit Tire-Fit

Aufgepumpt mit Tire-Fit

11:24 Uhr
Die Anlage wieder hurtig zerlegt und in Tütchen im Kofferraum verstaut (Vorsicht, die Reste der Dichtmasse können bleibende Verschmutzungen hervorrufen). Schnell meinen Wagen in Bewegung gesetzt, denn nach dem Füllen sollte das Fahrzeug möglichst bald bewegt werden, dass sich die Masse komplett im Reifen verteilen kann und keine Unwucht entsteht.

11:34 Uhr
Kurzer Zwischhalt, denn nach 10 Minuten Fahrt soll der eben flott gemachte Reifen inspiziert werden. Reifen tip top, alles klar. Fahrt kann fortgesetzt werden, allerdings mit 80km/h Höchstgeschwindigkeit.

Auf zu Mercedes nach Narbonne – Mittagspause

Bis wir in Narbonne (knapp 20km kurivge hügelige Landstrasse) bei der Mercedes Werkstatt waren, war es ziemlich genau 12 Uhr. Frankreich-Kenner wissen es, um diese Uhrzeit beginnt die 2-3 Stunden dauernde Mittagspause. Höflich aber bestimmt wurde ich also wieder hinauskomplimentiert und auf 14:00 Uhr vertröstet.

Nun gut, wir wollten eh noch zu Mittag essen. Also suchten wir nach einer Bushaltestelle, leider vergebens. So schlenderten wir in der Mittagshitze durch das Industriegebiet – herrlich. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite entdeckten wir eine Bäckerei, wo wir leckere, frisch gebackene und satt belegte Backwaren zu uns nahmen. Ich verteilte noch meinen Kaffee grosszügig auf dem Fussboden, dann verliessen wir die Lokalität wieder.

Rettung in der Mittagspause: Speedy

Direkt nebenan befindet sich ein riesiger Supermarkt (einer von den ganz grossen, wie man sie in Frankreich häufig findet). Und auf dem Parkplatz des Supermarktes erblickte ich Speedy. Speedy ist eine Werkstattkette, die in Deutschland unter dem Namen pit stop firmiert.

Wir sahen, dass dort Fahrzeuge rein- und rausfuhren, Menschen in den Shop gingen – um kurz nach 13:30 Uhr. Also keine Mittagspause, was für eine Seltenheit! Ich also ab in den Laden und meine wirklich hervorragenden Französisch-Kenntnisse (Plattfuss, Winterreifen, Tire-Fit, Kostenvoranschlag – um nur einige Beispiele zu nennen) eingesetzt. Die überaus freundliche und hilfsbereits Dame verstand in etwa mein Problem. Wir vereinbarten, dass ich in wenigen Minuten wiederkommen würden und der Meister sich das genauer ansehen würde.

Zurück durchs Industriegebiet gewandert, Auto geholt und bei Speedy vorgefahren. Mit Französisch und Englisch hangelten wir uns durch, doch beide Seiten waren freundlich und offen. Unsere Unterhaltung war rhetorisch mangelhaft, aber wir hatten Spass daran und kamen zum Ziel.

Zu meiner grossen Überraschung waren die Reifen laut Kostenvoranschlag deutlich günstiger als in Deutschland. Und zu meiner noch grösseren Überraschung waren noch ein paar Winterreifen vorrätig (ich fahre meistens mit Winterreifen, aber das ist eine andere Geschichte). Knopf drauf, zwei neue Reifen bestellt, gut eine halbe Stunde später könne ich das Fahrzeug abholen.

14:30 Uhr. Neue Reifen, alles prima – Dank Speedy

Wie vereinbart war mein Fahrzeug um 14:30 Uhr fertig. Ich hatte neue Dunlop (gar nicht so einfach zu verstehen, wenn Franzosen das aussprechen…) Winterreifen montiert und ärgerte mich insgeheim, dass meine Reifen nicht komplett abgefahren waren. Denn für die zwei fix fertig montierten Reifen bezahlte ich zusammen lediglich 156,- Euro. Das hätte ich in Deutschland wohl für einen bezahlt, als Neukunde, der im Sommer Winterreifen wünscht.

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Der neue Reifen von Speedy Narbonne

Alle waren sehr freundlich und hilfsbereit, mir wurde noch in der sonst überall vorherrschenden Mittagspause geholfen – ich bin sehr angetan von dem tollen Service. Preislich passte es auch – also keine Sorge, solltet ihr mal in Frankreich eine Reifenpanne haben.

Fazit zum Thema Tire-Fit

Zurück zum Anfangsthema Tire-Fit. Wie vereinbart, wurde der Reifen, den ich mittels Tire-Fit wieder flott bekommen hatte, aufbewahrt und mir gezeigt – das wollte ich doch sehen und für die Nachwelt festhalten. So sieht der Reifen aus, nachdem er mit dem Dichtmittel befüllt wurde.

Das Innere des Reifens nach Demontage

Das Innere des Reifens nach Demontage

Recht viel des Dichtmittels schwamm im Reifen umher, wurde wohl nicht benötigt. Der Reifen wies keine Undichtigkeit mehr auf.

Ich bin recht begeistert, wie einfach und unkompliziert das zu bedienen war. Man kann eigentlich nichts falsch machen. Es dauerte gerade mal eine Viertelstunde, bis mein Fahrzeug wieder einsatzbereit war. Keine schmutzigen Finger, kein Ersatzreifen auf dem Kofferraum wuchten – herrlich.

Ich empfehle jedem, das Ersatzrad abzuschaffen und sich ein Tire-Fit Reparaturset zuzulegen. Zum einen schafft das zusätzlichen Stauraum, zum anderen kann man auch mit dem Ersatzreifen meist nur zum nächsten Reifenhändler fahren, da man auf einer Achse immer das gleiche Profil mit in etwa der selben Profiltiefe haben muss. Und wann wurde dein/Ihr Reserverad zuletzt überprüft? Alter, Reifendruck okay? Eben.

3 comments on “Tire-Fit: Ersatzrad-Ersatz oder Murks?
  1. Dentaku sagt:

    Und zu meiner Verwunderung hat auch der Reifendruck-Sensor nicht angeschlagen.

    Mercedes setzt zwei verschiedene Systeme für die Reifendruckkontrolle ein. Die „Reifendruckkontrolle“ (meist nur gegen Aufpreis) hat Drucksensoren in den Felgen und hätte hier schon im Stillstand warnen müssen. Die „Reifendruckverlust-Warnung“ funktioniert über Drehzahlunterschiede in den ABS/ESP-Sesonren und hätte den Platten erst bei etwas höherer Geschwindigeit als Rangieren bemerkt.

    Ich weiß natürlich nicht, welches System Du hast.

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