Wohin mit den Pfandflaschen unterwegs, oder: Mikro-Spenden

Wohin mit den Pfandflaschen unterwegs, oder: Mikro-Spenden

Das dürfte wohl jedem bekannt sein: Man ist unterwegs und hat gegen den spontanen Durst ein bisschen was zu Trinken dabei. Aber wohin mit dem Leergut?
Wir in Deutschland haben ja seit einigen Jahren eine neue Pfandverordnung. Diese ist hier nicht mein Thema, wobei man sicher auch über Sinn und Unsinn dieser trefflich diskutieren könnte.
Fakt ist, dass die meisten Flaschen und Dosen entweder Mehrwegflaschen oder mit dem Einweg-Pfandzeichen versehen sind und somit mit bis zu 25 Cent Pfand beaufschlagt werden – um eine Rückgabe sicherzustellen.

Wenn man nun mit grossem Gepäck oder auch mit einem Rucksack unterwegs ist, ist das eigentlich kein Problem. Störend – so empfinde es zumindest ich – wird es, wenn man ohne die Möglichkeit, das Leergut zu verstauen, unterwegs ist und die leeren Dosen oder Flaschen in der Hand mittragen muss.

Wohin also mit dem Leergut? Dazu habe ich euch meine Tipps niedergeschrieben.

Tipp 1: Mülleimer

Uns Schwaben wird ja nachgesagt, dass wir sehr sparsam bis hin zu geizig seien. Dennoch praktiziere ich es seit Jahren so und gebe das auch gerne als Tipp weiter:

Die leeren Flaschen einfach vor einem öffentlichen Mülleimer abstellen. Davor, weil man nie weiss, was in der Mülltonne alles drin ist. Zudem ist es so die feinere Art, das Leergut so einzusammeln als in den Mülleimer hineinzufassen und im Müll zu wühlen.

Wer dies schon mal beobachtet hat, stellt fest: Insbesondere in grösseren Städten stehen die leeren Pfandflaschen erfahrungsgemäss nicht lange da. Es haben sich Menschen darauf ausgerichtet, die öffentlichen Mülleimer nach Pfandflaschen zu durchsuchen. Ich vermute mal, dass man damit nicht reich wird, aber dennoch ein bisschen etwas dazuverdienen kann. Was insbesondere bei den teilweise knappen Renten (ja, das machen viele Rentner) bitter nötig ist.
Und deswegen habe ich es mir angewöhnt, wenn ich unterwegs bin, die Pfandflaschen immer denjenigen zu überlassen, die sich darum kümmern. Mir tun die 25 Cent nicht weh und je mehr das ebenso praktizieren, desto mehr hilft es denjenigen, die deutlich weniger haben. Mir ist diese direkte Form von Solidarität lieber als dies über Umwege und Institutionen zu tun.

 Tipp 2: Der Pfandring

Viel besser ist es natürlich, wenn eine Stadt ähnlich wohltätig denkt und Pfandringe für die Mülleimer anschafft. Designer Paul Ketz hat mit dem Pfandring etwas entworfen, um genau die von mir oben beschriebenen Probleme zu lösen.

Auch ihn beschäfigte das Thema mit den leeren Flaschen ebenso wie die Menschen, die nach Pfandflaschen in Mülleimern suchen. Der Pfandring wird um die Mülleimer gehängt, so dass die Sammler von Flaschen nicht mehr im Müll direkt suchen müssen, sondern die Flaschen bequem einsammeln können. Eine wie ich finde begeisternd einfache und menschliche Idee. Denn es stimmt mich ein wenig traurig, wenn es so viele Menschen in unserem Land gibt, die auf leere Pfandflaschen als Verdienstquelle angewiesen sind. Und wenn diese dann noch im „Wohlstandsmüll“ herumwühlen müssen, fühle ich mich nicht wirklich besser dabei. Deswegen finde ich diese menschenwürdige Variante wunderbar – ein schönes Zeichen der Wertschätzung und eine Vereinfachung für diejenigen, die wirklich darauf angewiesen sind, sich so zu ernähren und ihr Auskommen sicherzustellen.

Die ersten Pfandringe gab es übrigens in Bamberg Anfang 2014, seit Oktober 2014 sind auch in Stuttgart solche Ringe zu sehen.

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Der Pfandring (Quelle: blog.wewant.com)

Hier ergänzend noch ein Link zu einem Beitrag zum Thema Pfandring im WeWant Blog.

Pfand-Spende bei Lidl

Ergänzend sei noch erwähnt, dass ein Discounter eine tolle Möglichkeit geschaffen hat, um mit den Pfandflaschen ebenfalls Gutes zu tun. Bei Lidl besteht seit einigen Jahren die Möglichkeit, den durch Pfandflaschen angesammelten Betrag direkt am Pfandautomaten zur Spende zu machen.

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Pfand-Spende am Automaten (Quelle: www.lidl.de)

Nachdem man die Flaschen und Dosen in den Automaten eingeworfen hat, genügt ein Knopfdruck und anstelle des Pfandbons mit entsprechender Gutschrift an der Kasse wird das Geld gespendet.

Unter dem Motto „Essen wo es hingehört“ – „Jeder gibt was er kann“ werden die Spenden an Tafel-Einrichtungen in ganz Deutschland übergeben. Wieviel an welche Tafel gespendet wurde, lässt sich auf der Internetseite von Lidl nachvollziehen, hier der Link zur Aktion.

Überlebenswichtig: Mikro-Spenden

Diese Art von Spenden reichen natürlich nicht aus, um alle Verteilungsungerechtigkeit und sämtlichen Hunger der Welt zu stillen. Aber diese Mikro-Spenden gehen nebenher, ohne dass man viel dazu tun muss oder Geld in irgendwelche Einrichtungen steckt, bei denen man am Ende nicht weiss, wie viel wirklich dort ankommt, wo die finanziellen Mittel gebraucht werden.

Man muss keinen Dauerauftrag einrichten, keine Adressdarten preisgeben – eine wie ich finde also sehr zeitgemässe Methode, um zu Spenden.

Nun mag man einwenden, dass viel mehr gespendet werden muss – das ist sicher richtig. Aber ich bin ein Verfechter des „Spatz in der Hand“ Denkens, des Handelns in kleinen aber zielgerichteten Schritten. Von Theorie kann letztlich niemand leben, die 25 Cent Spende sind immerhin ein kleiner Beitrag dazu. Dass Lidl in den Jahren um die 7 Millionen Euro an Spenden eingesammelt hat, ist ein Indiz dafür, dass man auch mit Centbeträgen weit kommen kann.

Drum lautet mein Aufruf als Idealist, der ich (gerne) bin: Lasst die Pfandflaschen einfach mal stehen, stellt sie in einen Pfandring wo vorhanden oder spendet das Pfand bei Lidl. Die paar Cent werden den meisten nicht schaden und doch vielen Menschen helfen.

4 comments on “Wohin mit den Pfandflaschen unterwegs, oder: Mikro-Spenden
  1. Hubert sagt:

    #hach – freut mich, dass ich nicht alleine bin. Stelle die Flasche auch immer vor den Mülleimer.

    Den Pfandring hab ich erstmals in freier Wildbahn am Frankfurter Flughafen gesehen.

    Und ich meine, dass auch unser Edeka jetzt so eine Box dran hat, wo man die Pfandbons rein stecken kann. Muss nal schauen, ffür wen/was..

    • Vielen Dank für deinen Kommentar, Hubert.
      Prima, jetzt sind wir schon 2 bekennende Pfandspender aus dem Schwabenland 🙂
      Edeka wäre natürlich super, da komme ich persönlich öfter hin weil direkt gegenüber.
      Sonnige Grüße und eine gute Woche,
      Jens

  2. Danke für den tollen Beitrag – wirklich sehr wommige Idee mit dem Pfandring. Das wird dann gleich mal weitererzählt.

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