Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder, oder: Der Genderisierungs-Wahn

Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder, oder: Der Genderisierungs-Wahn

Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder – darüber haben wir uns gestern königlich amüsiert. Oder müsste ich nicht korrekterweise schreiben „könig- und königinlich“, „König/-inlich“ oder gar „königInnenlich“?

Ja, man hat sich an die häufig parallele Nennung der jeweils männlichen und weiblichen Form gewöhnt. Und was sich auf den ersten Blick schon fast gewohnt liest, entpuppt sich bei genauer germanistischer Betrachtung als Resultat eines übertriebenen Genderisierungswahns.

Kurze Erklärung: Genderisierung

In diesem Wort steckt das englische „Gender“, welches das soziale Geschlecht – nicht das biologische! – ausdrückt. Bei der Genderisierung geht es kurz beschrieben darum, die Geschlechter gleich zu stellen, was mitunter wilde Blüten treibt…

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Weiblich, Männlich oder beides?

Prinzipiell ist es gar nichts Schlimmes. Es ist teilweise nicht verkehrt, Menschen gleich zu behandeln und nicht zu unterscheiden nur aufgrund des biologischen Geschlechtes.

Teilweise nicht verkehrt? Macho!?

Ja, ihr habt richtig gelesen. Teilweise nicht verkehrt. Denn manchmal ergibt es auch durchaus einen Sinn, dass die biologischen Geschlechter unterschiedlich betrachtet werden. Denn, das ist nun einmal Fakt, die Geschlechter sind unterschiedlich!

Das hat rein gar nichts mit Machotum oder ähnlichem zu tun. Es geht mir hierbei um die Unterscheidung von gleichwertig, gleichberechtigt und gleich. Denn das ist einfach nicht der Fall. Nicht alle Menschen sind gleich. Und werden es auch nie werden. Denn manche sind weiblich, manche männlich. Manche groß, andere klein. Und so weiter. Gleichstellung halte ich also für etwas, was nicht der Natur entspricht. Und genau da sind wir am Punkt.

Es wird leider immer häufiger gleich gestellt, was nicht gleich ist. Und sobald man beispielsweise die weibliche Form bei einer Stellenausschreibung nicht erwähnt, wird die Frau diskriminiert. Gibt’s auch andersrum, macht es aber nicht besser.

Gleichberechtigung heißt für mich, dass auch – ich bleibe mal beim Beispiel der Stellenausschreibung – die Frau eine faire Chance auf jeden Job erhält. Sie hat das gleiche Recht, sich darauf zu bewerben und gleich viel Anrecht auf die Stelle – bei gleicher Qualifikation. Doch geht mir der Gedanke zu weit, dass schon allein mit dem Weglassen der weiblichen Form die Frauen diskriminiert werden. Oder dass bei gleicher Qualifikation das eine Geschlecht bevorzugt werden muss.

Hier spielt vielfach der Gedanke der political correctness eine Rolle. Man möchte sich nach außen hin korrekt verhalten und nicht anecken. Es soll alles vermieden werden, was jemanden kränken oder beleidigen könnte. Und das ist etwas, was nie gelingen wird. Es wird immer so sein, dass egal wie rum wir es formulieren, jemand ausgegrenzt ist oder sich ausgegrenzt fühlt. Wir können nicht so weichgespült reden und dennoch klar ausdrücken, was wir wollen.

Und genau das ist aus meiner Sicht das Hauptproblem beim Genderisierungswahn. Wichtig ist es, die Menschen gleich zu behandeln. Gleich welchen Geschlechtes, welcher Weltanschauung, welcher Religion oder Abstammung. Sofort mit der moralischen Keule zu drohen, sobald mal eine Formulierung nicht korrekt ausgesprochen oder niedergeschrieben wird, trägt da wohl kaum dazu bei. Schlimm ist die Diskriminierung doch nur, die praktiziert wird. Wenn ich eine Gruppe tatsächlich ausgrenze, herunterqualifiziere.

Oder ist es bereits strafbar, das Wort „Mord“ in den Mund zu nehmen? Und wenn ich es schreibe? Nicht, dass ich wüsste. Nicht einmal, wenn ich ein ganzes Buch darüber schreibe. Aber wenn ich als Mann nicht gleich auch die weibliche Form dazu nenne, dann diskriminiere ich? Das ist mir zu platt, zu einfach gedacht. Zu kurz gesprungen. Wenn nicht immer sofort ein „-Innen“ dran gehängt wird, ist man ein schlechterer Mensch? Es geht doch vielmehr darum, Vorbehalte abzubauen und nicht gegen eine mögliche Diskriminierung zu klagen.

Und jetzt bin ich wieder am Anfang des Beitrags. Mitgliederinnen und Mitglieder. Nehmen wir das doch einmal kurz sprachlich auseinander. Einzahl: Das Mitglied. Neutrum, weder weiblich noch männlich. Mehrzahl: Die Mitglieder. Immer noch Neutrum. Weder männlich noch weiblich!
Aber weil es sich so männlich anhört, hängt man einfach mal ein „-Innen“ dran, es muss ja alles politisch korrekt sein! Ich würde mit wünschen, Menschen, die so etwas sagen oder schreiben, würden öfter in den Duden schauen. Oder den Verstand einschalten. Es gibt keine Mitgliederinnen. So unfair das klingen mag.

Ich wünsche mir, dass wir uns mehr mit der Diskriminierung in Taten auseinander setzen und Formulierungen einfach stehen lassen. Papier ist geduldig – zum Glück. Denn wo soll das noch hinführen, wenn wir das Spielchen immer weiter treiben?

Ein paar Beispiele gefällig?

  • Wir diskriminieren ständig, da es per Definition DER Regenwurm heißt. Regenwürmer sind aber Zwitter und somit eigentlich geschlechtsneutral – folglich das. Müssen wir uns nun an „Das Regenwurm“ gewöhnen?
  • Manche haben es bemerkt. Ich schrieb „Zwitter“. Der Zwitter! Katastrophe. Muss doch „Das Zwitter“ heißen. Oder wir einigen und auf Zwitter und Zwitterin – je nach Ausprägung…
  • Bürgermeister – ist der denn nur für die männlichen Bürger zuständig? Politisch korrekt müssten wir also von Bürger- und Bürgerinnenmeister sprechen.
  • Schon mal vom Hebammer gehört? Wäre doch fair. Der Hebammer, die Hebammerin.
  • Und „man“ ist übrigens eine geschlechtsneutrale Formulierung und bedarf nicht der Ergänzung oder Ersetzung durch „frau“.

Ich freue mich auf weitere Beispiele oder eure Anregungen und Meinungen zu meinem Beitrag.

6 comments on “Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder, oder: Der Genderisierungs-Wahn
  1. Andreas Stricker sagt:

    Beim „Bürgermeister“ ist alles noch viel schlimmer: Es müsste „Bürgerinnenmeisterin oder Bürgerinnenmeister oder Bürgermeisterin oder Bürgermeister“ heissen.

    (Der Al­go­rith­mus zur Umformung dieses Begriffs muss in politischen Debatten noch exakt definiert werden.)

    • Hallo Andreas, ja das ist korrekt. Und wenn man sich das anschaut, merkt man, dass man damit niemandem wirklich einen Gefallen tut, sondern es vor allem kompliziert macht 🙂
      Liebe Grüße, Jens

  2. == Vergewaltigung der Sprache ==
    Für die Überschrift entschuldige ich mich am Ende, aber ich will dir mal aufschlüsseln, warum du hier einen bösen Fehler gemacht hast. Worte haben eine Bedeutung, eine Geschichte und einen Kontext. Das Wort „Genderwahnsinn“ ist ein Wort von Rechtspopulisten, die gegen die Menschenrechte auf die Straße gehen. Der Gebrauch dieses Wortes durch einen Normalbürger dreht mir den Magen herum. Das vergewaltigt die deutsche Sprache genauso wie das angeführte Beispiel des geschlechtsneutralen Wortes „man“. Etymologisch hängt das Wort an der indogermanischen Wurzel *men, die „denken“ bedeutet. Nah damit verwandt sind die Worte „Mann“ und „Mensch“ und obwohl „man“ und „Mann“ somit sprachlich verwandt sind, sind sie es im Gebrauch eben nicht. Es ist also richtig, dass der Gebraucht „frau“ statt „man“ eine schlimme sprachliche Vergewaltigung darstellt, aber der Gebrauch von „Genderwahnsinn“ ist noch schlimmer. Obwohl unbewusst geschehen, ist das ein Angriff auf Menschen, nicht nur auf Sprache – das wiegt noch mehr. Es gibt sogar Frauen, die von „Efrauzipation“ sprechen. Dieses Beispiel treibt die sprachliche Perversion auf den Höhepunkt („Perversion“ bedeutet „Verdrehung“), denn auch wenn die Buchstaben „man“ in „Emanzipation“ von „manu“ (Hand) stammen, sind sie doch sinnverwandt. Das führende „E“ ist die Vorsilbe „Ex“, also „weg von“. Sprachlich steckt da also „Weg vom Mann“ (sehr rudimentär) drin. Wer hier eine „Efrauzipation“ ausruft, der verdreht (oder „pervertiert“) Sprache im aller höchsten Maße. Dieses Beispiel, das Rechtspopulisten heute „Genderwahnsinn“ nennen, hat sich aber inzwischen gesellschaftlich abgeschwächt. Leider ist stattdessen der Gebrauch von „Genderwahnsinn“ auf dem Vormarsch. Solche Entwicklungen sollte man stoppen und nicht befeuern! Das Wort „Vergewaltigung“ trägt einen ganz anderen Sinn, nämlich den sexuellen Missbrauch. Deswegen hatte ich mich eingangs bereits für die Bagatellisierung dieses Verbrechens entschuldigt. Opfer sexueller Gewalt leiden ein Leben lang, „vergewaltigte Worte“ spüren gar nichts, daher bitte ich die sprachliche Gleichsetzung dieser mehr als unterschiedlichen Sachverhalte zu verzeihen.
    Bei regelmäßiger Lektüre der Sprachplaudereien in der Schwäbischen Zeitung wäre das nicht passiert. Der Autor Rolf Waldvogel hatte übrigens zudem einen spannenden Artikel zur Kür des Wortes „Lügenpresse“ als Unwort des Jahres verfasst, wo er auf Wortgeschichte eingeht. „Lügenpresse“ ist ein Wort, das die Nazis zur Propaganda verwendet haben, ähnlich dem Wort „Genderwahnsinn“, durch dessen Gebrauch man sich sprachlich schuldig macht!

  3. Mirco sagt:

    „Wenn ich eine Gruppe tatsächlich ausgrenze“ … dann muss hier auch Gruppe/r stehen, da es sich im „die Gruppe“ handelt.

    Ich finde es auch sehr bedenklich, wenn in Stellenausschreibungen explizit eine „Kindergärtnerin“ gesucht wird. Nur regt sich darüber dann niemand auf, da Kindergärtner i.d.R. sowieso sehr schlecht angesehen sind.

    Es gibt viel zu tun. Die Sprachlichen Regel/Reglern sind aber nicht der dringenste Handlungsbedarf/in

    • Danke für den Kommentar, Mirco. Allerdings gibt es sicher wichtigere Punkte, die hierbei bearbeitet werden müssten, wie du schreibst.
      Mir ging es lediglich darum, die teilweise vorhandene Ausuferung aufzuzeigen.
      Gruß, Jens

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