Paris nach den Terror-Anschlägen

Paris nach den Terror-Anschlägen

26. und 27. November 2015 reiste ich geschäftlich veranlasst nach Paris. Knapp zwei Wochen nach den grausamen Anschlägen, von welchen die französische Hauptstadt am 13. November 2015 heimgesucht wurde. Ich wurde oft befragt, wie denn Paris sich „anfühlt“ oder was ich dabei fühlte.

Wie hier beschrieben, verbrachte ich den 26. und 27. November in Paris. Dass das momentan nicht ganz alltäglich ist und es nicht das Paris ist, dass man vielleicht so in Erinnerung hat, versteht sich. Zu sehr haben die Terroranschläge Wunden geschlagen.

Über die Gräueltaten an sich möchte ich an dieser Stelle nicht viel verlieren. Einzig die Anmerkung, dass es einem natürlich schon das eine oder andere Mal durch den Kopf geht, wenn man genau weiss, dass man knapp zwei Wochen danach selbst nach Paris reisen soll. Die Bilder, die immernoch etwas surreal wirkende Berichterstattung, all das kommt natürlich wieder hoch.

Der Veranstalter hatte aber alle Teilnehmer vorab nochmal kontaktiert und abgefragt, ob wir dennoch dabei wären. Keiner sprang ab. So reisten wir also nach Paris…

Die Fragen anderer im Vorfeld

Wen man im Vorfeld auch ansprach, die Frage nach meinen Gefühlen beim Gedanken an einen Aufenthalt in Paris wurde mir oft gestellt. Die Anschläge haben wohl viele Menschen erschüttert, aufgewühlt, beschäftigt, verunsichert.
Vielleicht waren auch viele einfach froh, darüber reden zu können, wenn man das Thema quasi auf dem Silbertablett serviert bekommt.

Wobei ich trotz mancher Fragen von niemandem Unverständnis für meine Entscheidung erntete. Letztlich muss das Leben weitergehen, so hart das für persönlich Betroffene klingen mag, das war der Tenor. Dennoch ist festzuhalten, dass ich noch über keinen Reiseort so häufig befragt wurde, auch nicht über meinen letzten Paris-Aufenthalt – es war wahrnehmbar anders, dass viele interessiert waren am Paris nach dem 13.11.2015.

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Das nächtliche Paris

Meine Gedanken im Vorfeld

So wie viele andere haben auch mich die Terroranschläge beschäftigt. Besonders die Fernsehbilder, die unruhige Nacht vom 13. auf den 14.11., aber auch die vielen Fragen meiner Gesprächspartner brachten die Gedanken schon häufig zum Kreisen.

Automatisch gingen meine Gedanken jedesmal – bei entsprechenden Nachrichten oder Gesprächen – dahin: Dort werde ich in Bälde selbst sein…

  • Wird die Reise stattfinden oder wird sie abgesagt, das war natürlich die erste Frage.
  • Wären wir zwei Wochen früher dorthin gereist, was wäre passiert?
  • Würden weitere Angriffe stattfinden?
  • Ich habe mich auch damit beschäftigt, wie ich Paris antreffen würde. Betroffen, gleichgültig, trotzig?
  • Militärisch, überwacht oder doch eher wie gehabt, légère und „Savoir vivre“?

In der Nacht der Anschläge wie geschrieben kam ich erst spät (respektive früh) zur Ruhe. Zumal da die Zahl der Toten mit jeder neuen Meldung weiter anstieg und die Lage noch nicht „unter Kontrolle“ war. Von Krieg war die Rede, der Ausnahmezustand wurde von Staatspräsident Hollande verhängt.

Wobei meine ersten Gedanken nicht meiner Reise galten, das war in dem Moment viel zu weit weg. Vielmehr machten sich Trauer und Unverständnis breit, ich machte mir mehr Sorgen um Paris und dessen Einwohner, um unseren Nachbarn Frankreich. Sicher gab und gibt es in der Vergangenheit manche Meinungsverschiedenheit zwischen Franzosen und Deutschen. Viel hatte sich ereignet in Jahrhunderten, was mehr trennend als vereinend war. Und dennoch haben sich die beiden Nationen in den letzten Jahrzehnten angenähert, sind vertrauter geworden – es wissen beide, dass der Andere der wichtigste Bündnispartner ist.

Zwischen Entschluss und Reiseantritt

Ich hatte den Entschluss für mich getroffen, die Reise – so sie denn stattfinden würde – anzutreten. Wäre es nicht meine Überzeugung gewesen, dass es für mich richtig und stimmig ist, wäre ich nicht mitgereist – ich war ja nicht gezwungen. Warum habe ich mich so entschieden?

  • Weil ich damit für mich selbst ein Zeichen setzen wollte. Ein Zeichen, dass wir Menschen so wenig selbst in der Hand haben, sondern alles in Gottes Hand liegt und dass ich Gott vertraue.
  • Weil ich auch ein Zeichen setzen wollte, dass ich zwar nicht für Krieg bin, aber deswegen mich irgendwelchem Terror (woher auch immer) nicht einfach beugen möchte. Unsere Werte, die so oft zitierten Werte des christlichen Abendlandes, sind mir als freiheitsliebendem Menschen viel wert, deshalb möchte ich auch gerne öffentlich dafür einstehen. Friedlich „demonstrieren“, dass für mich das Leben weitergeht und ich nicht eingeschüchtert bin.
  • Weil Paris ist immer eine Reise wert ist. Das hatte mir die Entscheidung natürlich leichter gemacht. Auch das Programm, das geplant war.

Meine Entscheidung habe ich bis zum Reiseantritt nicht angezweifelt oder hinterfragt, auch nicht nach den Nachfragen, mit denen ich konfrontiert war. Mit gedämpfter Vorfreude und vielen Fragen zwar, aber ich habe der Reise positiv entgegengeblickt.

Wie ich Paris erlebt habe

Das wird sicher die meisten Leser und Leserinnen interessieren. Denn alle, die Paris einmal besucht haben, haben einen Bezug zu der Stadt. Dazu gibt es viele, die schon viel Zeit dort verbracht haben und eine besondere Beziehung zur “Stadt der Liebe“ verspüren.
Paris zeigte sich mir – gegenünber meinem letzten Besuch – doch deutlich ruhiger. Gedämpft. Nicht erstarrt, nicht verängstigt. Man spürt schon die Haltung, es muss weiter gehen, wir Parisiens kämpfen und lassen und nicht vom Terror unterkriegen. Aber es ist einfach noch nicht so, wie ich Paris vom Mal davor kannte. Nicht diese Lässigkeit, auch nicht der Eindruck einer pulsierenden Metropole.

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Ausblick vom Montmartre – verhäktnismäßig leer

Wer schon mal auf dem Montmartre war, kennt die Treppe hinauf voll von Touristen und Straßenhändlern. Ebenso die Straße direkt vor Sacre Cœur, wo normalerweise hunderte Menschen drängeln, um einen guten Platz für ein Foto vom tollen Ausblick auf die französische Hauptstadt zu ergattern. Es waren ein paar Straßenhändler da, auch Touristen. Aber kein Vergleich, es war für dortige Verhältnisse leer.
Auch als wir am Abend noch die berühmte Pariser Meile mit Moulin Rouge und Pigalle hinunterliefen, war es zwar nicht menschenleer, aber für dortige Verhältnisse fast wie ausgestorben. Deutlich weniger wird man auf der Straße angequatscht und zum Besuch von gewissen Etablissements ermuntert. Die fliegenden Crêpes-Bäcker produzierten nur auf Bestellung (statt wie sonst auf Vorrat), auch hier wird man nicht angesprochen, auch kein lautes Geschrei.
Wobei Polizei und Sicherheitsdienste weniger präsent waren als vermutet. Auch Kontrollen gab es keine, entgegen den Ankündigungen der Reiseleitung.

Paris hat sich aus meiner Sicht schon verändert. Aber ich würde nach meinem Besuch niemand raten, die französische Metropole nicht mehr zu besuchen. Vielleicht gerade jetzt – so kurze Warteschlangen wird man sonst selten vorfinden !?!

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